Nach einem kurzen Flug ab Basel standen Dylan und ich schon beim Autovermieter am Flughafen Sofia. Für unglaubliche 10 Euro pro Tag bekamen wir einen roten Fiat Tipo – glatte Reifen, Motorleuchte an.
Der Vermieter meinte nur lachend: „Alles gut, solange der Ölstand passt!“ 😅
Also ab in den bulgarischen Feierabendverkehr, raus aus Sofia Richtung Norden, zur rumänischen Grenze. Für knapp 130 Kilometer quer durch die Berge brauchten wir fast drei Stunden, bis wir endlich das kleine Dorf erreichten – unser Ausgangspunkt für die kommende Woche.
Im Ort liegt die Staumauer eines relativ großen Stausees. Das gesamte Einzugsgebiet kommt aus den umliegenden Bergen. Unterhalb der Staumauer fließt das ganze Jahr über eiskaltes Wasser in den Fluss, der später bis in die Donau mündet.

Durch dieses konstant kalte Wasser – selbst in den heißesten Sommermonaten – gilt der erste Flussabschnitt unterhalb des Sees als absolutes Top-Forellengewässer. Und zwar eines, das richtig große Fische produziert.
Genau dort wollten wir unser Glück versuchen.


Um es kurz zu machen – denn der Fokus dieses Blogs liegt eigentlich beim Karpfen:
Es war das beste Forellenangeln, das wir bisher in Europa erlebt haben.
Nicht wegen der Optik – da muss man ehrlich sein. Der Fluss ist größtenteils betoniert, voller Müll und je nach Abschnitt riecht es teilweise übel nach Abwasser.
Aber das Angeln… brutal gut.
Der Fischbestand ist einfach irre: Bach- und Regenbogenforellen mit über 70 cm, eine Durchschnittsgröße von rund 50 cm.

Das liegt zum einen am konstant kalten Wasser aus dem Stausee, zum anderen am lokalen Angelverband. Es gibt viele No-Kill-Strecken, strenge Kontrollen und kaum Fischentnahme.
Dazu kommt: Der Fluss ist extrem insektenreich. Den ganzen Tag schlüpfen verschiedene Fliegen – gefischt wird fast ausschließlich an der Oberfläche. Mega spannend und alles andere als langweilig.
Ein paar weitere Eindrücke in Bildern – und dann zurück zu den Karpfen.




Ende April war ich wieder zu Hause. Während der Reise hatte ich ständig das Wetter bei mir im Blick. Für die Jahreszeit war es bereits ungewöhnlich warm, fast 25 Grad. Die Fische konnten nicht mehr weit vom Laichen entfernt sein.
Für die nächsten Tage kündigte der Wetterbericht eine Kaltfront mit Regen und starkem Wind an. Für mich: der perfekte Moment, um noch den ein oder anderen fetten Fisch abzugreifen.
Also ging es an die Arbeit. Mit Fahrrad und Drohne suchte ich einen ganzen Nachmittag lang das große Gewässer ab, an dem ich schon im letzten Blog unterwegs war.
Ich fand die Fische auf einem großen Plateau und in den umliegenden Krautfeldern.


Wäre keine Kaltfront gemeldet gewesen, hätte ich sie genau dort befischt.
Aber ich war mir ziemlich sicher, dass sie mit dem Wetterumschwung ins tiefere Wasser ziehen würden, um dort zu fressen.
Also fütterte ich 5 kg Murmeln, etwa 700 Meter entfernt, in einer 3 Meter tiefen Rinne, von der ich vermutete, dass die Fische dort einziehen würden.
Als ich abends nach Hause kam, wurde der Himmel schon dunkel.
Am nächsten Morgen: Temperatursturz von 25 auf 13 Grad, Dauerregen. Erst spät am Abend sollte es aufhören.
Perfekt – denn im Dauerregen habe ich noch nie gut gefangen. Danach läuft es meistens.
Und genau so war es:
Bis zur Regenpause gegen 3 Uhr morgens kein einziger Biss.
Wie ich schon oft erlebt habe: Kurz vor der Laichzeit sind Karpfen nachts kaum aktiv. Oft kommt ein Fisch kurz nach Einbruch der Dunkelheit – und dann erst wieder im ersten Licht.
So auch dieses Mal.
Im ersten Morgengrauen kam der erste Biss, während des Drills direkt der zweite.
Innerhalb von vier Stunden fing ich sechs Fische. Nur einer davon war unter 15 kg. Der größte – ein massiver Spiegler – brachte fast 26 kg auf die Matte.


Solche Vormittage erlebt man vielleicht ein- oder zweimal pro Frühling:
Kurz vor der Laichzeit, perfekte Bedingungen, die Fische genau am richtigen Spot beim Fressen – ein absoluter Traum.
Alles ging exakt nach Plan.





In den Tagen danach wurde es wieder warm – und die Fische begannen zu laichen.


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