Alexander Kobler

Fangfotos in der Nacht (Teil 1)

Fangfotos in der Nacht (Teil 1) | Hammer Tackle

Carpanglers do it in the dark. Das war der Spirit, den die großen Angler der 80er vermittelten und DER Slogan der 90er. Er huldigte das Wachsein in der Nacht, wenn Ruhe an den Gewässern einkehrt und das Leben im Wasser erwacht. Es galt als eine Kunst ohne Lampe ein Vorfach zu binden, die Rute perfekt ins Schwarze auszuwerfen und nach dem Angeln im Dunkeln wieder alles einzupacken – wenn möglich ohne etwas zu vergessen. Ja, man war so leise und unauffällig wie es nur ging. Man stellte seine Aktivität auf die Nacht um und schlich wie eine Katze mit weit offenen Lauschern um den See. Doch eines machten nur die allerwenigsten Karpfenangler nachts: vernünftige Fotos.

Fotos wurden damals noch auf Negativen oder Dias aufgenommen, meist hatte man nur ein paar wenige Auslösungen (die Filme und das Entwickeln kosteten Geld), bevor man den Fisch wieder schwimmen ließ. In dieser Zeit waren Spiegelreflex Kameras viel seltener und deutlich weniger angesagt, denn es erforderte mehr Können, ohne Autofokus und Belichtungsautomatik vernünftige Bilder zu machen. Außerdem waren Bilder einfach noch nicht so wichtig und schnell verbreitbar als heute (damals klebte man die Fotos in Alben oder zeigte die Dias an Kumpels). Und so wurden Karpfen nachts entweder ohne Foto zurückgesetzt oder eben dank des Karpfensacks am nächsten Morgen abgelichtet. Gute Nachtfotos hatten meistens nur die Jungs, die wirklich was mit Fotografie am Hut hatten.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Willkommen im 20ten Jahrhundert, wo eine digitale Spiegelreflex mit modernster Technik schon fast zum Standardrepertoire des Karpfenanglers geworden ist. Durch hohe ISO-Empfindlichkeit, ordentlichem Dynamikumfang und bester Software zum Nachbearbeiten kann man heute auf einfache Weise nachts Fangfotos schießen. Machen tut es aber trotzdem fast niemand. Weil der Plan fehlt und die meisten einfach zu faul sind. Und weil man halt doch noch ein bisschen mehr Equipment für gut ausgeleuchtete Fotos braucht als nur die Kamera und den eingebauten Blitz. Doch wirklich teuer muss ein gutes Nachtfotoequipment nicht sein und wie man damit arbeitet und welche Kameraeinstellungen dafür nötig sind, soll in diesem Artikel einleuchtend erklärt werden.

Mit dem integrierten Kamerablitz und den richtigen Einstellungen kann man gute Nachtfotos machen.

Regel Nummer 1: Nachts fotografiert man ausschließlich mit manueller Belichtung!

Drehe das linke obere Rädchen der Kamera (Programmrädchen) auf manuell (M) und vergiss die ganzen anderen Zeichen für die Nacht. Der Kamera muss man nämlich selber sagen, was sie tun soll, sonst macht sie nachts vor allem Unsinn. Doch keine Angst, das ist wirklich kein Hexenwerk und einfach für das nächtliche Mann-Fisch-Foto, bei dem man sowieso fast immer dieselbe Einstellung benutzt. Die Bedingungen sind ja immer dieselben: Es ist dunkel. Steht das Rädchen also auf „M“, dann wählt man für die Verschlusszeit 1/125 Sekunde, für die Blendenöffnung zwischen 4 und 5.6 (sofern das Objektiv es zulässt, dann am liebsten f 4) und stellt den ISO-Wert auf 400. Diese Einstellung funktioniert tadellos und man kann sie quasi immer anwenden. Dem fortgeschrittenen Fotograf bleibt natürlich selbst überlassen, sein eigenes Tuning zu finden. Doch für jemand, der noch nie manuell belichtet hat, ist das bereits eine super Lösung für nächtliche Fangfotos.

Hat man in das manuelle Programm geschaltet, dann arbeitet der eingebaute Blitz nach dem manuellen Aufklappen durch Knopfdruck genau so, wie wir das gerne von ihm hätten. Er übernimmt dann nämlich mittels TTL-Messung das zusätzliche Licht, das für ein gutes Foto nötig ist.

TTL, was ist das denn? Ein Blitz mit TTL belichtet automatisch, wobei er die Informationen der Kamera übernimmt und selber misst wie stark er dazu blitzen muss, um optimale Ergebnisse zu bringen. Das erleichtert das Fotografieren nachts, da der Blitz die Belichtung anpasst, während die Kamera quasi immer die gleichen Einstellungen hat.

Mehr Abstand, besser ausgeleuchteter Hintergrund und realitätsgetreuere Abbildung.

Regel Nummer 2: Gib dem Blitz ein wenig Platz!

Je weniger Platz ein Blitz bekommt, desto größer wird der Beleuchtungsunterschied zwischen Fisch, Fänger und Hintergrund. Blitzt man von weniger als einem Meter zum Fisch (wie das bei Weitwinkelfotografie der Fall ist), dann leuchtet der Blitz vor allem mittig und ergibt einen überstrahlten (überbelichteten) Bauch, einen zu dunklen Kopf und eine zu dunkle Schwanzflosse. Der Hintergrund wird außerdem nur sehr mäßig bis gar nicht ausgeleuchtet. Also vergrößert man den Abstand zur Kamera lieber auf über 1,5 Meter und fotografiert mit Brennweiten von 35 mm aufwärts. Dadurch sieht der Fisch weniger aufgebläht aus und das Foto ist deutlich ausgewogener belichtet.

Regel Nummer 3: Leuchte ein wenig zusätzlich mit einer Lampe.

Eine auf den Fisch gerichtete Kopflampe oder eine schwach eingestellte LED-Videoleuchte erleichtern das Fotografieren und helfen außerdem dem Autofokus der Kamera. Dazu ist nicht viel Licht nötig, eben gerade genug, um den Fisch und den Fänger zu sehen, um dann beide gut im Foto positionieren zu können.

Mit zwei Blitzen erhält man eine räumlichere Abbildung.

Regel Nummer 4: Zwei Blitze sind besser als einer!

Zwei Blitze leuchten nicht nur den Fisch sondern auch den Hintergrund großflächiger aus. Dabei muss ein Blitz logischerweise „entfesselt“ arbeiten, dass heißt abseits der Kamera. Er findet auf einem Bankstick oder Stativ Platz und blitzt von der Seite auf den Fisch und Hintergrund. Der interne Blitz der Kamera funktioniert dann als „Master“ (übersetzt: Meister) und steuert den zweiten Blitz, den „Slave“ (übersetzt: Sklave), an und übermittelt die nötigen Daten zum Blitzen. Die Masterfunktion des eingebauten Blitzes muss allerdings erst noch im Menu aktiviert werden: Blitzsteuerung -> Einstellung interner Blitz -> Drahtlosfunktion.

Passende Modelle von Canon oder Nikon sind allerdings leider ziemlich teuer und beginnen ab Preisen von 200 €. Ich persönlich greife lieber zu Yongnuo Blitzen, die auch nicht anders funktionieren, dafür aber schon für unter 100 € inklusive passender TTL Funktion für Canon und Nikon zu haben sind. Das Modell der Wahl ist der Yongnuo YN-568EX II (Kostenpunkt 85 €), der sich auch wunderbar auf der Kamera montieren lässt, sofern es mal ein bisschen mehr Licht sein darf. Passend dazu bietet Yongnuo eine Diffusorkappe (OS03140) für ca. 2 € an, durch die man ein gleichmäßigeres und weicheres Licht erhält.

Die Kameraeinstellungen für das Blitzen mit zwei Blitzen bleiben dabei dieselben wie bereits vorher erwähnt (M). Wichtig ist nur, dass der Yongnuo Blitz im blitzeigenen Menu auf „S“ wie Slave gestellt wird.

Die Freude direkt nach dem Fang festhalten.

Wie montiert man einen Blitz auf einen Bankstick oder Stativ?

Dazu braucht man einen Blitzschuh, das ist ein kleiner Adapter auf den der Blitz geschoben werden kann, und einen Gewindeadapter, den man zwischen das ¼ Zoll Gewinde des Blitzschuhs und das 3/8 Zoll Gewinde des Banksticks schrauben kann. Wir empfehlen den Walimex Universal Blitzschuh für 5 Euro, beim Gewindeadapter haben wir keine Präferenzen (kostet auch nicht mal 2 Euro). Für die Stativmontage schraubt man die normalerweise unten an der Kamera angebrachte Stativplatte auf den meistens mit dem Blitz mitgelieferten Blitzfuß, ein kleiner Ständer aus Plastik auf den der Blitz geschoben werden kann.

Einen Blitz kann man leicht auf einen Bankstick montieren.

Mein Blitz-Setup:

Mein aktuelles Setup gibt noch ein bisschen mehr kreativen Spielraum. Ich entfessle beide Blitze und verzichte auf einen Blitz aus der Richtung der Kamera. Die beiden Blitze, die bei mir auf Banksticks oder auf dem Stativ thronen, werden dabei von einem kleinen Gerät auf der Kamera angesteuert, das selber nicht blitzt. So kann man dem Foto das gewisse Etwas und mehr Dreidimensionalität verleihen. Außerdem hat man durch das freie Positionieren von zwei Blitzen (Ansteuerung bis zu 100 Meter Abstand) noch mehr kreative Freiheiten. Zudem verzichte ich auf eine TTL Funktion der Blitze, und stellen die Blitzstärken manuell sein, was etwas mehr Einstellungen verlangt, dafür aber den Preis der Blitze noch ein bisschen drückt. Das komplette Blitzsetup kostet nicht mal 170 Euro: Zwei Yongnuo YN 560-III Blitze (Stück circa 55 €), Yongnuo Steuerungsgerät YN 560-TX (für 35 €), zwei Walimex Stoff Diffusoren (beide für einen Zehner), zwei Walimex Blitzschuhe (beide auch für zehn Euro) und zwei Gewindeadaptern von ¼ auf 3/8 Zoll (4 €).

Ein steinalter Fisch, der gleich nach dem Fang wieder schwimmen durfte.

LED Videoleuchten:

LED Videoleuchten sind „in“ und können alternativ zu Blitzen gebraucht werden. Die Einstellungen der Kamera („M“ wie manuell) bleiben dabei dieselben, eventuell muss man aber mit der ISO auf 800 hochgehen, da LED Lampen niemals so stark als Blitze ausleuchten. Deswegen ist zur besseren Beleuchtung auch eine zweite Lampe absolut anzuraten. Für die Montage empfiehlt sich genauso wie für die Blitze ein Bankstick oder Stativ, mit Blitzschuh und Gewindeadapter oder Blitzfuß und Stativplatte (siehe vorher). Weiterzuempfehlen ist auch hier ein Produkt von Yongnuo, die LED-Lampe YN-300 II (normalerweise für 50 Euro zu bekommen), bei der man die Farbtemperatur mittels zwei Rädchen von kaltem Weiß fließend zu warmem Gelb einstellen kann. Ein etwas wärmerer Farbton macht eine schöne Stimmung während ganz gelb oder ganz weiß einfach unnatürlich aussieht. 300 LED’s mit 18 Watt sorgen hier für eine Lichtintensität von bis zu 2280 Lux.

Eine LED Lampe hilft nachts den Überblick zu bewahren.

Blitz oder LED-Lampe?

Eine LED-Lampe kann niemals die kreativen Möglichkeiten eines Blitzes ersetzen. Geblitzte Fotos wirken zudem einfach „knackiger“ und schärfer. Die Vorteile von LED-Lampen liegen aber ganz klar bei der Anwendung fürs Filmen, da bringt ein Blitz nämlich rein gar nichts. Zu empfehlen ist deswegen auch beides.

Eine LED Lampe kann einen Blitz nicht ersetzen.

Strom für meine Blitze, LED-Leuchten und so weiter kommt aus AA-Akkus von Aldi (Activ Energy NiMH-Akkus Plus+ 2500 mAh). Die haben Power, halten lang und sind günstig. Leider sind sie nicht immer verfügbar und so besteht mein Akkulager auch aus den Duracell Ultra HR6 AA Akkus (ebenso 2500 mAh). Für die Yongnuo LED-Leuchte habe ich hierzu den Neewer Battery Pack BB-6 gekauft, in dem stolze sechs AA Akkus Platz finden. Der Preis für diesen Batteriepack liegt bei etwas über 10 Euro.

Zwei entfesselte Blitze und eine LED Lampe rücken Michele ins rechte Licht.

So, das war’s zu den Kameraeinstellungen für nächtliche Fangfotos und den Optionen, um das Ausleuchtungsset zu vervollkommnen. Im nächsten Teil soll dann detailliert auf die Bildkomposition, die Positionierung der Blitze und ein wenig auf die Nachbearbeitung eingegangen werden.

Alexander Kobler

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