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Guido Richard: Glück im Unglück!

Guido Richard: Glück im Unglück!

Seit Anfang März war ich ein bis zwei Mal pro Woche an einem kleinen Fluss unterwegs. Diesen habe ich mir für 2026 als neues Projekt vorgenommen – ein Gewässer, das ich richtig verstehen und Stück für Stück entschlüsseln will.
Bis jetzt lief das auch ziemlich gut. Fast jede Session brachte ein oder zwei coole Fische. Nichts Riesiges, aber konstant. Der beste bis dahin lag bei 19 Kilo.


Letzte Woche, in der ersten Maiwoche, hatte ich wieder eine Tages- und Nachtsession geplant. Voller Motivation hatte ich meinen Spot schon zweimal großzügig vorbereitet – insgesamt Vier Kilo Boilies und drei Kilo Nüsse lagen bereits im Fluss.

Doch als ich früh morgens an der Bootsrampe ankam, war die Enttäuschung brutal: Zwei Löcher im Schlauchboot.
Es sah so aus, als hätten Mäuse daran herumgenagt. Flickzeug? Natürlich nicht dabei.

Ohne Boot komme ich an den Spot nicht ran – und ohne Boot ist der Fluss einfach nicht befischbar.


Die Stimmung war erstmal komplett im Keller. Dabei waren die Bedingungen eigentlich perfekt: Tiefdruck, Regenphase nach ein paar warmen Tagen – genau solche Wetterwechsel können im Mai komplett eskalieren.

Eigentlich wollte ich schon wieder nach Hause fahren. Aber irgendwie konnte ich bei diesem Wetter einfach nicht aufgeben.

Also machte ich mich spontan auf den Weg zu einem kleinen Schifffahrtskanal in der Nähe. Ein Gewässer mit richtig schönen Fischen – und vor allem ein zwei richtig großen Fischen.
Auf jeder Strecke schwimmen dort vielleicht zwei oder drei besondere Karpfen herum. Mehr nicht. Jede Kanalstrecke ist drei bis fünf Kilometer lang und befahren wird sie nur von Sportbooten.



Am Kanal angekommen war ich überrascht, wie hoch das Kraut bereits stand. Teilweise reichte es fast bis an die Oberfläche. Das Wasser war glasklar.
Zu Fuß machte ich mich auf die Suche nach Fischen, aber durch den grauen Regenhimmel und den schlechten Kontrast konnte ich kaum etwas erkennen.

13 Kilometer später war ich wieder am Auto. Drei Kanalabschnitte abgelaufen – und außer ein paar Rapfen unter der Oberfläche hatte ich nichts gesehen. Nicht gerade motivierend.

Trotzdem lief ich noch die letzten 500 Meter Richtung Schleuse ab, einen Bereich, den ich mir noch nicht angeschaut hatte.

Und dann: Bingo.

Keine 50 Meter vom Auto entfernt sah ich zwei kleinere Karpfen und leicht eingetrübtes Wasser.
Ich war einfach die ganze Zeit in die falsche Richtung gelaufen.

Das reichte mir. Hier würde ich den Rest des Tages und die Nacht verbringen.



Ich legte zwei Ruten mit großem Abstand aus, fütterte nur sehr sparsam und machte es mir mit gutem Essen gemütlich.



Es tat gut, wieder an diesem kleinen Kanal zu sitzen. Ohne großen Aufwand, ohne Stress – einfach entspannt fischen.
Der Frust wegen des kaputten Schlauchboots war inzwischen fast vergessen.

Jetzt fehlte nur noch ein Fisch.

Und genau der kam.

In den letzten Nachtstunden lief plötzlich eine Rute ab. Nach einem kurzen, aber intensiven Drill glitt ein massiver, wunderschön beschuppter Spiegler über den Kescherrand.
21 Kilo.

Als es langsam hell wurde, lag der Fisch noch einmal auf der Matte und ich konnte ihn in Ruhe bewundern und fotografieren.



Und genau in diesem Moment wurde mir klar:
Die Löcher im Schlauchboot waren vielleicht das Beste, was mir passieren konnte.

Denn ohne die Mäuse hätte ich diesen Fisch niemals gefangen.

Meinen bisher schönsten Kanalfisch und einen der schönsten Karpfen überhaupt, die ich fangen durfte.

Manchmal braucht es einfach ein bisschen Unglück, damit etwas richtig Gutes passiert.

Deswegen ärgert euch nicht, wenn es mal nicht so läuft wie geplant und macht einfach das Beste daraus!

Euer Guido

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