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Pascal Bouillon: Das Haus am See

Pascal Bouillon: Das Haus am See

In unserer Vorstellung gibt es den Ort, an dem alles stimmt. Diesen Ort verknüpfen wir mit Erinnerungen, mit Jahreszeiten, mit Erlebnissen und mit Gefühlen. Einen solchen Ort wünsche ich jedem guten Menschen da draußen, wohl wissend, dass sich bei weitem nicht jeder glücklich schätzen darf, einen solchen Ort zu kennen.

Mein Ort, an dem alles stimmt, ist mein Zelt. Es steht mal hier und mal dort, manchmal einen Tag, manchmal länger.


Mein Zelt ist mein „Haus am See“. Nicht auszudenken, wenn ich diesen Ort nicht hätte.

Besonders im vergangenen Herbst habe ich wieder gemerkt, wie mächtig dieser Ort ist. Kaum steht mein Zelt irgendwo, kehrt Zufriedenheit ein. Dabei brauche ich nicht wirklich viel. Auf weniger als fünf Quadratmeter passt alles, was ich für tage-, ja wochenlanges Draußensein benötige. Mein Haus am See ist nicht groß, sich zu reduzieren auf das wirklich Notwendige dabei essentiell.

 

 

Eigentlich wollte ich mein Zelt den gesamten Herbst über an einem Baggersee aufbauen, den ich beangeln wollte bis die Saison zu Ende sein würde. Es kam anders und heute bin ich froh darum. Eine spontane Planänderung (ob sie wirklich begründet war sei dahingestellt), brachte mich diesen Herbst an verschiedene Gewässer, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Vom kleinen Baggersee bis zum Strom war alles dabei und insbesondere dazwischen lagen viele besondere Momente, ab und an mit ebenso besonderen Fängen.

 

Der Blick aus meinem Haus am See war nicht jeden Tag gleich. Meistens jedoch lag eine „mittelgroße“, unbewegte Wasserfläche vor mir, über der dichter Nebel hing. Ja, es war kein besonders angelfreundlicher Herbst, denn Wind und Wetter blieben aus, doch ein Grund zum Jammern darf es dennoch nicht sein. Schließlich hatte ich in den Herbstmonaten an 25 Tagen und Nächten das Privileg, mein Haus am See aufzusuchen. Der Manager in mir glaubt es erst, wenn er es in Relationen gefasst hat: über 30% meiner Zeit war ich am Wasser in diesem Herbst. Wer würde da schon jammern wollen?

 

 

Es gelingt mir, für jeden der 25 Tage ein bezeichnendes Wort zu finden:

Überraschung, Zusammenhalt, Verbissenheit, Vorfreude, Vollmond, Neumond, Nebel, Windstille, Kälte, Akribie, Vorbereitung, Hoffnung, Ernüchterung, Freundschaft, Alleingang, Spaß, Besuch, Bus-Party, Schlammschlacht, Sonnentag, Hochdruck, Strömung, Anfüttern, Blanknächte, Kapitel 29.

Das Wort „Überraschung“ steht nicht umsonst an erster Stelle. Überraschungen waren sehr präsent in diesem Herbst, doch Überraschungen sind okay. Vor allem, wenn man mit seinem Haus am See eine Konstante hat, die bösen Überraschungen trotzen kann und mit guten Überraschungen kontert.

 

 

Und ein kleines Ass im Ärmel habe ich noch: Bald geht es los in ein letztes Abenteuer des Jahres 2024, während dem ich mein Haus am See noch einmal auf roten Sand stellen darf, bevor die Saison zu Ende ist. Nein, zum Jammern besteht nun wirklich kein Grund.

 

A la bien

Pascal

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