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Pascal Bouillon: Frühling heißt Wachwerden

Pascal Bouillon: Frühling heißt Wachwerden

Gerade erst hatte ich den Herbst hinter mir gelassen, kaum Weihnachten und Silvester gefeiert und schon stand die neue Saison vor der Tür. Wir Angler spüren den Frühling eher als alle anderen und lange bevor morgens die Vögel wieder zu zwitschern beginnen. Es ist der erste warme Wind aus südwestlicher Richtung, der erste warme Tiefdruck im Februar, der uns wach werden lässt.

Wer das Angeln liebt wie ich, wird mich verstehen: Es ist jedes Jahr gleich und doch nie ganz dasselbe.


Ja, ich gehe weniger akribisch vorbereitet in eine neue Saison, aber Euphorie und Leidenschaft sind unverändert.

Meine primären Angelziele liegen nicht mehr hunderte Kilometer entfernt, aber auch in heimischen Gefilden finde ich Ziele und Zufriedenheit.

Ich kaufe kein unnützes Tackle mehr und weniger Kleinteile als früher, doch was ich wirklich brauche, ist immer griffbereit.


Die Zeit großer Verbissenheit scheint vorbei, aber sitze ich nachts bei Wind und Regen am Ruder, spüre ich sie, als wäre sie nie weg gewesen.

Ich ärgere mich noch immer, wenn ich einen Fisch im Holz verliere oder alle guten Spots meines Zielgewässers belegt sind. Nach wie vor macht es mich nervös, wenn ich beim richtigen Wetter in Meetings sitze statt am Wasser zu sein, doch all das ist leichter geworden als früher.


Und solange Leichtigkeit dominiert und wohl dosierte Verbissenheit immer dann siegt, wenn es darauf ankommt, hat man es geschafft. Okay, genau das gelingt mir oft genug nicht, aber doch immer öfter.

Und so kann es passieren, dass man mit alten Glaubenssätzen abschließt, etwas Neues wagt und das Frühjahr auf einmal ganz anders wird, als man ursprünglich gedacht hatte.

So habe ich in diesem Frühling tatsächlich neuen Ködern eine Chance gegeben, und ob ihr es glaubt oder nicht, es hat sich gelohnt.


Ich bin zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten ein ganzes Frühjahr lang nicht in Frankreich gewesen. Während andere die großen blauen Stauseen des Südens unsicher machten oder Fische aus dem Schilf der Flachlandseen zerrten, blieb ich in Good Old Germany. Und es war okay.


Ich fing schon früh im Jahr ein paar Fische, als das Wasser noch eiskalt war und bekam schnell das Feeling für die neue Saison. Die gesamten Osterferien machten wir Urlaub, ganz ohne zu angeln, und auch das war okay.

Insgesamt angelte ich zwar etwas weniger als gewollt, aber konzentriert wie eh und je. Und zumindest an zwei Tagen gelang mir das Kunststück, zum richtigen Zeitpunkt am genau richtigen Ort zu sein. Ihr kennt diese Tage und liebt sie sicher so sehr wie ich, denn an ihnen beißen die Großen und egal was man tut, es scheint zu gelingen.


Alexander Kobler hat mich irgendwann überzeugt, seiner Hammer Family beizutreten. Mit einer guten Mischung aus Charisma und Angler DNA, einem interessanten Köder-Projekt und nicht zuletzt der Aussicht, wieder über mein Angeln schreiben zu können, hatte er leichtes Spiel.

Das Frühjahr ist zwar offiziell vorbei, doch gewiss beschert die Saison uns allen noch eine Menge Adrenalin und Abenteuer. Wenn ich dann noch von Zeit zu Zeit für etwas Unterhaltung sorgen kann, ist mir das die größte Freude.


Das Angeln und das Geschichtenerzählen gehören zueinander, denn nicht zuletzt lassen sich unterhaltsame Geschichten übers Angeln mit dem Beginn eines neuen Angeljahres vergleichen: „Sie klingen alle gleich, aber sind doch nie ganz dasselbe.“

A la bien cousins!

Pascal

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