Manchmal ist weniger einfach mehr!
Seit Anfang des Jahres verbringe ich wieder viel Zeit an einem kleinen, verwilderten Fluss. An manchen Stellen wird das Gewässer so eng, dass man selbst mit dem Schlauchboot und einem 5-PS-Außenborder kaum noch gegen die Strömung hochkommt.
Seit Anfang des Jahres verbringe ich wieder viel Zeit an einem kleinen, verwilderten Fluss. An manchen Stellen wird das Gewässer so eng, dass man selbst mit dem Schlauchboot und einem 5-PS-Außenborder kaum noch gegen die Strömung hochkommt.

Warum angle ich ausgerechnet dort?
Ganz einfach: Ich habe das Projekt gestartet, mit YouTube anzufangen und Vlogs über meine Angelei zu filmen – Fliegenfischen, Raubfischen und natürlich Karpfenangeln.
Gerade beim Karpfenangeln möchte ich etwas Eigenes zeigen. Etwas, das nicht jeder macht und das hoffentlich auch durch die Videos nicht zu viel Angeldruck am jeweiligen Gewässer entsteht. Die Natur des Flusses schützt die Fische aber ohnehin ein Stück weit – starke Strömung und schwer zugängliche Ufer sind nicht jedermanns Sache.
Seit Anfang März war ich also regelmäßig unterwegs. Ganz klassisch mit Schlauchboot und zwei Ruten. Eine lag am eigenen Ufer, die andere am gegenüberliegenden Ufer, abgespannt mit einer Abreißleine über die Strömung.
Irgendwann merkte ich aber, dass mir das Ganze zu aufwendig wurde. Ich fahre zwar gerne Boot, aber das ständige Auf- und Abbauen für kurze Tages- oder Nachtansitze nervte mich zunehmend. Außerdem hatte ich immer mehr das Gefühl, dass das Boot die Fische eher verschreckt. Oft musste ich lange auf einen Biss warten.Wie ich schon im letzten Blog berichtet habe, knabberten irgendwann Mäuse mein Schlauchboot an. Im Nachhinein war das wahrscheinlich das Beste, was mir passieren konnte.
Erstens fing ich dadurch diesen wunderschönen Kanalfisch. Zweitens entschied ich mich dazu, nur noch mit einer einzigen Rute vom Ufer aus zu angeln – und das war bisher eine der besten Entscheidungen meines Angeljahres.

Warum nur eine Rute?
Ganz einfach: Rund 90 % des Flusses verlaufen durch Wald. Ohne Bäume zu fällen oder große Schneisen freizuschneiden, hat man meistens nur Platz für eine Rute.
Eine zweite Rute ein paar Meter flussauf- oder flussabwärts zu legen kommt für mich nicht infrage. Wenn dort ein Fisch einsteigt, muss alles extrem schnell gehen. Sobald ein Karpfen die Hauptströmung erreicht, ist das Spiel meistens verloren.
Für den ersten Ansitz fütterte ich drei kleine Lücken vor – jeweils mit etwa einem Kilo Tigernüssen.

Mein Plan war simpel: Nach jedem gefangenen Fisch wechselte ich den Spot, damit wieder Ruhe einkehren konnte. Ich angle dort oft weniger als einen Meter vom Ufer entfernt in gerade einmal 80 Zentimetern Wassertiefe. Sobald ein Fisch dort drillt, herrscht erst einmal ordentlich Unruhe.
Die ersten drei Ansitze liefen überraschend gut. Mit deutlich weniger Aufwand als beim Bootsangeln fing ich mehr Fische. Die Aufnahmen dazu werdet ihr in den nächsten Monaten auf YouTube sehen.

Dann kam Ende Mai, Anfang Juni die Vollmondphase.
Die Tage zuvor hatten wir fast 35 Grad. Doch am Tag des Vollmonds zog ein heftiger Wetterumschwung mit Gewittern durch. Innerhalb einer Stunde fiel die Temperatur von 33 auf 19 Grad. Für uns Angler eigentlich traumhaft.
Trotzdem lief zunächst gar nichts. Bis spät in den Abend blieb der Bissanzeiger stumm. Es war nicht das erste Mal, dass bei einem starken Gewitterwechsel wenig ging.
Am nächsten Morgen stand ich deshalb wieder im ersten Licht am Wasser. Lange musste ich nicht warten. Ein schöner alter Spiegelkarpfen mit 19 Kilo landete als Erstes im Kescher.

An der nächsten Lücke flussaufwärts dauerte es keine 20 Minuten, bis ein weiterer Fisch einstieg. Diesmal ein Schuppenkarpfen mit 15 Kilo.

Der restliche Vormittag blieb ruhig. Ehrlich gesagt war ich einfach froh, das frische Wetter genießen zu können.
Am frühen Nachmittag kehrte ich zur ersten Stelle zurück.
Ich warf mein Rig mit einer Tigernuss und einem Fake-Maiskorn etwa zwei Meter vor meinen Füßen aus, gab zwei kleine Hände Nüsse hinterher und ließ mich entspannt im Stuhl nieder. Keine gute Idee. Ich schlief ein. Tagessessions können nach dem frühen Aufstehen ganz schön müde machen. Keine 20 Minuten später wurde ich vom Dauerton des Bissanzeigers unsanft geweckt.
Zum allerersten Mal an diesem Fluss zog ein Fisch stromaufwärts davon – und zwar ohne jede Chance, ihn zu stoppen. Mein erster Gedanke: Wels. Doch weit gefehlt. Plötzlich erschien in der Strömung ein riesiger, kugelrunder Spiegelkarpfen. Jetzt wurde ich nervös. Das Keschern fiel mir überraschend schwer. Mehrmals setzte ich an, bis der Fisch schließlich doch über den Kescherrand glitt. Was für eine Erleichterung!

Ein Fisch so rund wie der Vollmond selbst – aus einem Fluss, den viele wahrscheinlich kaum beachten würden. 24,9 Kilogramm zeigte die Waage. Neuer PB für diesen Fluss.
Wieder einmal zeigte sich für mich, wie stark die Vollmondphase auf große Karpfen wirken kann – egal an welchem Gewässer.
Und noch etwas wurde mir an diesem Tag klar: Wie oft machen wir uns das Angeln eigentlich unnötig kompliziert? Boote, mehrere Ruten, immer neue Taktiken …
Bei mir ist es oft genau andersherum. Je einfacher ich mein Angeln gestalte, desto besser läuft es.

Diesen Sommer werde ich genau diese Strategie weiterverfolgen. Mehrere kleine Spots regelmäßig vorfüttern und sie anschließend für ein paar Stunden mit nur einer einzigen Rute befischen.
Ich bin gespannt, was dieser kleine Fluss noch alles bereithält.


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